Gastronomie eröffnen —
Der komplette Leitfaden.
Behörden, Versicherungen, Equipment, Personal, Finanzen — alles was du wissen musst, bevor du die ersten Gäste begrüßt. Mit echten Zahlen aus der Praxis.
Was du beim Amt erledigen musst
Wer ein Gastronomiegewerbe in Deutschland eröffnet, kommt an diesen Behördengängen nicht vorbei. Plane mindestens 4–8 Wochen Vorlaufzeit ein.
Was Pflicht ist — was du nicht riskieren solltest
Nicht alle Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Aber ohne einige davon setzt du deinen Betrieb und dein Privatvermögen aufs Spiel.
Die Must-haves — mit Richtwert-Preisen
Plane dein Equipment-Budget frühzeitig. Für eine kleine bis mittelgroße Küche (bis 80 Gedecke) bist du mit 30.000–80.000 € dabei — je nach Konzept.
Budget-Guide — Kosten pro Sitzplatz
Die Einrichtungskosten variieren enorm. Entscheidend ist dein Konzept. Qualität zahlt sich langfristig aus — aber es geht auch günstiger.
Einfache Standardmöbel aus dem Katalog, keine Spezialanfertigung. Funktional aber nicht markenstiftend. Geeignet für Imbiss, Systemgastronomie oder schnelle Café-Konzepte.
Designmöbel, durchdachtes Beleuchtungskonzept, eigene Farbwelt. Schafft Atmosphäre und zahlt auf Wiedererkennungswert ein. Für die meisten Konzepte der Sweet Spot.
Maßanfertigung, Innenarchitekt, hochwertiges Licht- und Akustikkonzept. Für Fine Dining, Lifestyle-Restaurants und Hotels. Setzt ein klares Konzept und Budget voraus.
Was am Eröffnungstag stimmen muss
Kassensystem, Verträge, HACCP — das sind die Dinge die viele Gründer erst kurz vor der Eröffnung erledigen. Besser: frühzeitig angehen.
💻 Kassensystem & TSE-Pflicht
Seit dem 1. Januar 2023 gilt die TSE-Pflicht (Technische Sicherheitseinrichtung) für alle elektronischen Kassensysteme in Deutschland (KassenSichV). Ohne TSE-zertifiziertes System riskierst du Bußgelder und Steuernachforderungen.
- TSE-zertifiziertes Kassensystem vor Eröffnung installieren
- Täglichen Kassenbericht (Z-Bon) konsequent führen
- Reservierungssystem integrieren (resmio, OpenTable oder ähnliches)
- Kartenzahlung einrichten (SumUp, Adyen, Sumup Air)
- Separates Gäste-WLAN einrichten (Sicherheit und DSGVO)
- Kassensystem mit deinem Steuerberater abstimmen
👥 Personal — Was du wissen musst
Kein Gastrobetrieb läuft ohne Team. Diese Punkte musst du vor dem ersten Arbeitstag erledigt haben:
- Schriftliche Arbeitsverträge — auch für Minijobber Pflicht
- Minijob-Grenze 2026: 556 €/Monat (steuerfreie Grenze)
- Mindestlohn 2026: 12,82 €/Stunde
- Arbeitszeitgesetz: max. 10 Stunden/Tag, max. 48 Stunden/Woche
- Gesundheitszeugnisse vor Arbeitsbeginn vorlegen lassen
- Beim Minijob-Zentrale (Bundesknappschaft) anmelden
- DEHOGA-Mitgliedschaft prüfen — Tarifvertrag und Rechtsberatung
- Digitales Schichtplan-Tool einrichten (z.B. Gastromatic, Planday)
Die 7 HACCP-Grundsätze — kurz erklärt
HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points) ist kein Papierkram — es ist dein Schutz vor Lebensmittelinfektionen, Bußgeldern und Betriebsschließungen. Pflicht seit EU-Verordnung 852/2004.
Die wichtigsten Kennzahlen für Gastronomen
Wer diese Zahlen kennt und täglich im Blick hat, führt seinen Betrieb nicht auf Sicht — sondern mit Kontrolle. Diese Richtwerte gelten für klassische Restaurantkonzepte in Deutschland.
Das erste Jahr entscheidet
Die ersten 12 Monate formen deinen Ruf, deinen Kundenstamm und deine Betriebsprozesse. Wer hier gezielt arbeitet, hat eine deutlich bessere Überlebenschance.
📣 Marketing — Die ersten 90 Tage
- Google My Business Profil anlegen und vollständig ausfüllen (kostenlos, unverzichtbar)
- Instagram / Facebook Page mit regelmäßigen Posts — mindestens 3x pro Woche
- Aktuelle Speisekarte online stellen (auf Website und Google)
- Erste Bewertungen aktiv einsammeln — Gäste persönlich ansprechen und um Google-Bewertung bitten
- Lokale Presse und Food-Blogger zur Eröffnung einladen
- TripAdvisor-Profil einrichten
- Stammgäste-Programm von Anfang an überlegen (Stempelkarte, App oder einfache Liste)
📊 Controlling & Optimierung
- Wareneinsatz wöchentlich berechnen — nicht erst am Monatsende
- Schlechte Renner von der Karte streichen: wenn 10% der Gerichte nicht laufen, gehen sie raus
- Personalstunden vs. Umsatz pro Schicht tracken
- Saisonale Angebote und Aktionen 4–6 Wochen im Voraus planen
- Lieferantenverträge nach 6 Monaten neu verhandeln — du hast jetzt Daten
- Deckungsbeitragsrechnung für die Top-5-Gerichte aufstellen
- Energiekosten monatlich prüfen — oft verstecktes Optimierungspotenzial
🤝 DEHOGA & Netzwerk
- DEHOGA-Mitgliedschaft — Rechtsberatung, Tarifinfos, Weiterbildungen (meist 300–600 €/Jahr)
- IHK Weiterbildungsangebote für Gastronomen nutzen
- Lokale Gastronomennetzwerke und Stammtische aufsuchen
- Buchhaltungssoftware und Steuerberater mit Gastro-Erfahrung einsetzen
- Versicherungsschutz nach 12 Monaten überprüfen — Umsatz und Personalstand haben sich verändert
- Jahresabschluss gemeinsam mit Steuerberater auswerten und investieren
Schritt für Schritt zur Eröffnung
Alles auf einen Blick — druck sie aus oder speichere sie ab. Die must-have Punkte sind markiert.