Gewerbeversicherung in der Gastronomie: Was sie wirklich kostet
Vier Policen, vier Preisschilder. Hier stehen die Zahlen, die dir der Makler erst nach dem dritten Kaffee nennt.
Stand Juli 2026 · Alle Beträge sind Richtwerte aus öffentlich zugänglichen Anbieter- und Vergleichsportal-Angaben — keine Testergebnisse, keine Angebote.
Frag einen Makler, was Gewerbeversicherung kostet, und du bekommst eine Gegenfrage: „Was ist Ihnen Ihre Existenz wert?" Nette Rhetorik, null Information. Also machen wir es andersrum: Hier stehen die Kostenblöcke für einen kleinen Gastro-Betrieb — Imbiss, Café, Restaurant bis etwa zehn Mitarbeiter. Als Richtwerte, ehrlich eingeordnet. Was am Ende auf deiner Police steht, hängt von Umsatz, Fläche, Inventarwert und Mitarbeiterzahl ab.
Die Kurzfassung: Ein sinnvoll versicherter kleiner Betrieb liegt als Richtwert bei grob 60 bis 150 Euro im Monat für das Kernpaket. Weniger geht, wenn du klein und ohne Personal startest. Deutlich mehr zahlst du meist nur, wenn dir jemand Bausteine verkauft hat, die du nicht brauchst. Welche Policen überhaupt Pflicht sind, steht im Artikel Versicherungen für Gründer: Was Pflicht ist, was Vertriebs-Pitch — hier geht es ums Geld.
Betriebshaftpflicht: das Fundament
Ein Gast rutscht auf dem frisch gewischten Boden aus und bricht sich die Hüfte. Ab da reden wir über Behandlungskosten, Verdienstausfall, Schmerzensgeld — schnell sechsstellig. Genau dafür ist die Betriebshaftpflicht da. Rechtlich freiwillig, praktisch nicht verhandelbar.
Der Preis richtet sich vor allem nach Umsatz, Mitarbeiterzahl und Deckungssumme. Kampfpreise ab rund 5 Euro im Monat existieren, sind aber meist Minimal-Tarife für Kleinstbetriebe — lies das Kleingedruckte.
| Betriebstyp | Richtwert / Monat | Preistreiber |
|---|---|---|
| Imbiss, kleines Café | ca. 10–15 € | Umsatz, Deckungssumme |
| Kleines Restaurant | ca. 15–60 € | Mitarbeiterzahl, Umsatz |
| Großes Restaurant | bis ca. 200 € | Umsatz, Fläche, Personal |
Inhaltsversicherung: dein Inventar ist mehr wert, als du denkst
Küchentechnik, Kühlhaus, Möbel, Kasse, Warenlager — rechne das mal ehrlich zusammen. Bei den meisten Restaurants stehen da schnell 50.000 Euro und mehr. Brennt die Fritteuse durch oder platzt eine Leitung, ist das ohne Inhaltsversicherung dein privates Problem.
Die Prämie hängt direkt am Inventarwert und am Risiko. Gastronomie zahlt mehr als ein Büro — Herd, Fritteuse und Kühltechnik sind aus Versicherersicht eine Ansammlung von Brandquellen. Einstiegstarife für kleines Inventar beginnen als Richtwert bei rund 80 Euro im Jahr; ein Betrieb mit voller Küche und fünfstelligem Inventarwert landet realistisch im mittleren drei- bis vierstelligen Bereich pro Jahr.
| Inventarwert | Richtwert / Jahr | Anmerkung |
|---|---|---|
| Klein (Imbiss, wenig Technik) | ab ca. 80–300 € | Grunddeckung Feuer, Wasser, Einbruch |
| Restaurant, 50.000+ € Inventar | ca. 300–1.000 € | Höheres Brand- und Kühlausfall-Risiko |
| Große Küche, viel Kühltechnik | auch vierstellig | Wert korrekt ansetzen — sonst Unterversicherung |
Wichtigster Fehler bei der Inhaltsversicherung: den Inventarwert zu niedrig ansetzen, um Prämie zu sparen. Im Schadensfall kürzt der Versicherer dann anteilig — Unterversicherung heißt das, und es trifft dich genau dann, wenn du das Geld brauchst.
Betriebsunterbrechung: wenn der Laden steht, laufen die Kosten weiter
Küchenbrand, drei Wochen zu. Die Inhaltsversicherung ersetzt die Geräte — aber Miete, Löhne und Leasing laufen weiter, während null Umsatz reinkommt. Genau diese Lücke schließt die Betriebsunterbrechungsversicherung: Sie zahlt entgangenen Gewinn und Fixkosten, je nach Tarif bis zu zwölf Monate.
Für kleine Betriebe gibt es die „kleine Betriebsunterbrechung" oft als Baustein direkt in der Inhaltsversicherung — teils ist sie dort schon enthalten, teils kostet sie einen überschaubaren Aufschlag. Eigenständige Tarife starten als Richtwert bei rund 9 Euro im Monat; je nach Umsatz und Deckung sind 10 bis 40 Euro monatlich eine realistische Spanne.
| Variante | Richtwert | Für wen |
|---|---|---|
| Baustein in der Inhaltsversicherung | oft enthalten oder kleiner Aufschlag | Imbiss, Café, kleines Restaurant |
| Eigenständige Police | ab ca. 9 €, meist 10–40 € / Monat | Betriebe mit höheren Fixkosten |
Rechtsschutz: nützlich, aber kein Tag-eins-Thema
Firmenrechtsschutz deckt Streit mit Mitarbeitern, Vermietern, Behörden — von der Erstberatung bis zum Prozess. Basistarife gibt es als Richtwert ab rund 88 Euro im Jahr, also unter 8 Euro im Monat. Sobald du Personal hast und der Arbeitsrechts-Baustein dazukommt, liegst du realistisch eher bei 15 bis 40 Euro monatlich. Die Prämie richtet sich nach Mitarbeiterzahl, Umsatz und gewählten Bausteinen.
Ehrliche Einordnung: Von den vier Blöcken hier ist das der am wenigsten dringende. Ohne Mitarbeiter und ohne laufenden Mietstreit kannst du damit warten. Mit Personal wird Arbeitsrechtsschutz schnell relevant — eine einzige Kündigungsschutzklage kostet mehr als Jahre an Beiträgen.
Was das zusammen heißt
| Police | Richtwert kleiner Betrieb | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Betriebshaftpflicht | ca. 15–60 € / Monat | de facto Pflicht, ab Tag eins |
| Inhaltsversicherung | ca. 25–85 € / Monat (300–1.000 € / Jahr) | ab 50.000 € Inventar existenziell |
| Betriebsunterbrechung | ca. 10–40 € / Monat oder Baustein | sinnvoll, sobald der Betrieb läuft |
| Firmenrechtsschutz | ca. 8–40 € / Monat | relevant ab dem ersten Mitarbeiter |
Macht als Richtwert rund 60 bis 150 Euro im Monat für das Kernpaket eines kleinen Betriebs. Nicht dabei: die Berufsgenossenschaft (gesetzliche Pflicht ab dem ersten Mitarbeiter, Beitrag nach Lohnsumme) — die ist keine Versicherung, die du aussuchst, sondern eine, die dich aussucht.
Was du dir sparen kannst
- Monatliche Zahlweise. Jährlich zahlen bringt bei den meisten Versicherern 5 bis 10 Prozent Rabatt. Bei 100 Euro Monatsprämie sind das 60 bis 120 Euro im Jahr — fürs Umstellen einer Zahlungsart.
- Cyber-Versicherung fürs Bistro. Drei Geräte, ein Kassensystem, keine Kundendatenbank? Dann ist eine Cyber-Police meistens Provision für den Makler, nicht Schutz für dich.
- Premium-Rechtsschutz-Pakete. Der Standard-Firmenrechtsschutz mit Arbeitsrechts-Baustein reicht für die meisten kleinen Betriebe. Die Deluxe-Variante mit Vertrags- und Spezial-Bausteinen brauchst du selten von Anfang an.
- Glasversicherung ohne Glas. Erdgeschoss mit großen Schaufenstern: ja. Erster Stock mit zwei kleinen Fenstern: gespartes Geld.
- Doppelte Deckungen. Prüfe, ob die kleine Betriebsunterbrechung schon in deiner Inhaltsversicherung steckt, bevor du sie separat abschließt.
Und die wichtigste Regel: Versichere, was du finanziell nicht selbst tragen kannst. Alles darunter ist Komfort — und Komfort verkaufen Makler am liebsten.
CHECK24 — Gewerbeversicherungen selbst vergleichen
Für klare Standardfälle: mehrere Anbieter parallel vergleichen, ohne Beratungsgespräch. Schließt du darüber ab, bekommen wir eine Provision — dein Preis bleibt gleich.
Du willst erst verstehen, welche Policen du überhaupt brauchst, bevor du Preise vergleichst? Dann in dieser Reihenfolge: erst die Übersicht Gastro-Versicherung mit Vergleich und Empfehlungen, dann den Pflicht-Check im Artikel Versicherungen für Gründer.
FAQ: Kosten der Gewerbeversicherung
Welche Gewerbeversicherung ist in der Gastronomie Pflicht?
Gesetzlich vorgeschrieben ist nur die Berufsgenossenschaft (BGN), sobald du Mitarbeiter beschäftigst. Die Betriebshaftpflicht ist rechtlich freiwillig, aber de facto Pflicht: Ein einziger Personenschaden kann sechsstellige Forderungen auslösen. Ohne sie haftest du privat.
Was kostet eine Betriebshaftpflicht für ein kleines Restaurant?
Als Richtwert (Stand Juli 2026): Kleine Betriebe wie Imbiss oder Café starten bei rund 10 bis 15 Euro im Monat, kleine Restaurants liegen meist zwischen 15 und 60 Euro monatlich. Große Betriebe können bis etwa 200 Euro im Monat zahlen. Entscheidend sind Umsatz, Mitarbeiterzahl und Deckungssumme.
Brauche ich eine Betriebsunterbrechungsversicherung ab Tag eins?
Nicht zwingend. Die kleine Betriebsunterbrechungsversicherung gibt es oft als Baustein der Inhaltsversicherung, eigenständige Tarife starten als Richtwert bei etwa 9 Euro im Monat. Sinnvoll wird sie, sobald dein Betrieb läuft und ein mehrwöchiger Stillstand deine Fixkosten nicht mehr aus Reserven tragbar macht.
Kann ich Gewerbeversicherungen von der Steuer absetzen?
Ja. Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Betriebsunterbrechung und Firmenrechtsschutz sind betrieblich veranlasst und als Betriebsausgaben absetzbar. Das mindert deinen Gewinn und damit die Steuerlast — die Netto-Belastung ist also niedriger als die Prämie auf dem Papier.
Hinweis: Alle genannten Beträge sind Richtwerte auf Basis öffentlich zugänglicher Anbieter- und Vergleichsportal-Angaben (Stand Juli 2026), keine Testergebnisse und kein Angebot. Deine tatsächliche Prämie hängt von Betriebsart, Umsatz, Inventarwert und Mitarbeiterzahl ab. Diese Seite enthält gekennzeichnete Affiliate-Links — bei einem Abschluss erhalten wir eine Provision, für dich ohne Mehrkosten.